Entlastungsbetrag: 125 € für Haushaltshilfe ab Pflegegrad 1

Mit dem Pflegestärkungsgesetz wurde schon 2017 der sogenannte Entlastungsbetrag auf monatlich 125 € festgesetzt. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist mindestens der Pflegegrad 1.

Mit dem Entlastungsbetrag kann eine Haushaltshilfe aber auch Dienstleistungen wie z.B. Besorgungen, Vorlesen oder Spazierengehen im Wert von 125 € im Monat finanziert werden. Bis 30. September 2020 gilt eine Corona-Sonderregelung, die für den Pflegegrad 1 auch die Kostenerstattung von Nachbarschaftshilfe ermöglicht (siehe unten). Der Entlastungsbetrag ist eine Sachleistung. Für die Abrechung einer Haushaltshilfe mit der Pflegekasse gibt es folgende zwei Möglichkeiten.


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  1. Es wird per Abtretungserkärung vereinbart, daß die Sozialstation bzw. der Pflegedienst die Haushaltshilfe direkt mit der Pflegekasse abrechnen darf.
  2. Per Kostenerstattung reicht der Pflegebedürftige die Rechnung der Sozialstation bzw. des Pflegedienstes selbst bei der Pflegekasse ein. Die Pflegekasse erstattet dann das Geld zurück.

Besonderheit: eine rückwirkende Beantragung ist möglich

Beim Entlastungsbetrag gilt eine Besonderheit: Es ist eine rückwirkende Anrechnung nicht verbrauchter Entlastungsbeträge aus dem Vorjahr möglich. Dies ist jedoch nur möglich, wenn schon im Vorjahr ein Pflegegrad und damit ein Anspruch auf die Entlastungsleistungen bestanden hat.

Durch die rückwirkende Beantragung kann ein erhebliches Budget zusammenkommen, von dem beispielsweise eine Grundreinigung oder Betreuung in Auftrag gegeben werden können. Selbst bereits bezahlte Rechungen z.B. über Haushaltshilfen der Sozialstation können nachträglich eingereicht werden. Gleiches gilt für entstandene Tagespflegeleistungen oder Rechnungen der Kurzzeitpflege.

Für die rückwirkende Beantragung der Entlastungsbeträge müssen die Restansprüche aus dem Vorjahr Jahr bis zum 30.06. in das darauf folgende Jahr übertragen werden. Danach verfallen die nicht genutzten Ansprüche.

Siehe dazu auch diese Erläuterung der Barmer.

Nur anerkannte Anbieter können abrechnen

Neben dem festgestellten Pflegegrad gilt als Voraussetzung, dass die Leistungen von einem anerkannten Dienstleister erbracht werden müssen. Das sind in der Regel jene Sozialstationen und Pflegedienste, die bereits in der Vergangenheit Haushaltsdienstleistungen erbracht haben. In der Regel wird zwischen der Sozialstation und dem Menschen mit Pflegestufe eine Abtrittserklärung vereinbart. Die Sozialstation kann damit die 125 € direkt mit der jeweiligen Pflegekasse abrechnen. Eine private Putzfrau kann die Entlastungsleistung leider nicht abrechnen.

Corona-Sonderregelung: bis 30. September 2020 ist auch eine Kostenerstattung von Nachbarschaftshilfe möglich

Für Menschen mit Pflegegrad 1 erweitern sich die Verwendungsmöglichkeiten des Entlastungsbetrag. Seit dem 23. Mai aber nur bis bis zum 30. September 2020 kann der  Entlastungsbetrag auch für andere Hilfen im Wege der Kostenerstattung eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die anderen Hilfen zur Überwindung von infolge der Corona-Krise verursachten Versorgungsengpässen erforderlich sind. Diese anderen Hilfen können professionelle Angebote oder nachbarschaftliche Hilfe sein. Die Pflegekassen sind angehalten die Kostenerstattung in diesen Fällen möglichst unbürokratisch zur Verfügung zu stellen. Weiterhin verschiebt sich ausnahmsweise für 2020 der Stichtag auf den 30. September, an dem die Entlastungsbeträge aus 2019 verfallen.



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Siehe hierzu auch die übersichtliche Zusammenfassung der Verbraucherzentrale: Corona: Was, wenn die Pflege zuhause organisert werden muss?

Welchen Stundenlohn hat eine Haushaltshilfe vom Pflegedienst?

Die Stundenlöhne für eine Haushaltshilfe der Pflegedienste sind sehr unterschiedlich. Die Pflegedienste rechnen je nach Region zwischen 25 € – 50 € pro Stunde ab. Ich habe beobachtet, dass insbesondere bei einem langen Anfahrtsweg höhere Stundenpauschalen abgerechnet werden. Ein seit der Einführung des Entlastungsbetrags ungelöstes Problem ist, daß diese Dienstleistung sehr stark nachgefragt wird und viele Sozialstationen den Bedarf gar nicht abdecken können.

Verwendung für Verhinderungspflege, Tagespflege und Kurzzeitpflege ist möglich

Die Entlastungsbeträge können aber auch für notwendige Tagespflege, Kurzzeitpflege und mit Einschränkungen auch für Verhinderungspflege eingesetzt werden. Dadurch können diese separaten Leistungen etwas aufgestockt werden.

Dies ist im §45b, SGB XI geregelt. Demnach kann der Entlastungsbetrag jedoch bei der ambulanten Verhinderungspflege in den Pflegegraden 2 bis 5 nur ohne die Leistungen aus dem Bereich der Selbstversorgung verwendet werden. Die Selbstversorgung entspricht den Leistungen aus Modul 4 (Körperpflege, An- und Auskleiden, Essen, Toilette …) das hier zusammengefasst ist:

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Beitragsfoto: Gisela Enders / pixelio.de

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Über Jochen Radau

Als Sozialpädagoge befasse ich mich bereits seit dem Jahr 2004 durch meine Tätigkeit in einer MS-Beratungsstelle für Angehörige und MS-Betroffene auch mit Fragen rund um die Pflegeversicherung und die Pflegeeinstufung. Auf pflegegeld-info.de habe ich die wichtigsten Fakten zur Pflegeversicherung zum Nachlesen zusammengefasst.